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CFP Zukünfte_Bilden – Jahrestagung 24./25.9.2026 Gießen

In einer Gegenwart, die durch multiple Krisen, globale Ungleichheiten sowie Angriffe auf Wissenschaft und Bildung geprägt ist, gewinnen Fragen nach Bildungszielen und Zukunftsorientierungen neue Dringlichkeit. Zukunftsbilder erscheinen zunehmend kontingent, unsicher oder gar umkämpft und sind zugleich unverzichtbar für pädagogisches Handeln. In verschiedenen Lebensbereichen werde ein Mangel an Lust auf Zukunft beobachtet (Heidenreich 2023, 12, 16). Es ist daher für kunstpädagogisches/kunstdidaktisches Denken und Handeln notwendig, Vorstellungen, Konzeptionen und Fragestellungen im Hinblick auf Zukünfte zu schärfen: Auf welche Zukünfte, auf welche Utopien eines guten, gerechten und gelingenden Lebens hin soll und kann Kunstpädagogik Bildung initiieren (vgl. Adorno/Bloch 1964)? Wie ist es um eine ethische Dimension der Horizonte kunstpädagogischer Theorie von Bildung beschaffen? Welche Konzeptionen, Spekulationen und Grundierungen, können kunstpädagogisches Denken und Handeln leiten? Welche normativen Setzungen strukturieren kunstpädagogische Praxis als eine „Vermittlung im Noch-Nicht” (Hausmann 2024, 97) und wie lassen sich diese kritisch reflektieren, situieren oder verschieben? Welche subversiven Interventionen des What’s Next (Meyer/Kolb 2015) prägen den kunstpädagogischen Diskurs bereits? Und wie kann ein kunstpädagogischer Beitrag aussehen, um aus der „auf uns zurollenden Zukunft eine gestaltete Zukunft zu machen” (Heidenreich 2023, 22)?

Mit Blick auf Fragen der ungleichen Verteilung von Zukunft – etwa aus dekolonialen, machtkritischen oder gendersensiblen Perspektiven – rückt die Tagung soziale, globale und epistemische Dimension von Zukunftsfähigkeit in den Fokus: Zum einen ist hier kritisch zu fragen, welche dominanten und hegemonialen Zukunftsvisionen sich in kunstpädagogischen Konzepten und Bildungszielen zeigen und welche alternativen oder minoritären Zukunftsvisionen neue Perspektiven schaffen und verhandeln. Zum anderen wenden sich die Künste und die Kunstpädagogik unter post- und dekolonialen Vorzeichen den ‚widerspenstigen‘ und sich-entziehenden Anteilen des Zukünftigen zu („ethics of possibility“, Appadurai 2013), also solchen Zukunftsahnungen, welche sich nicht durch berechnende Zukunftsforschung oder Statistiken in ihrer Wahrscheinlichkeit vorhersagen oder plausibilisieren lassen. Wie können diese möglichen, erahnbaren und widerständigen Zukünfte eine neuartige, gestaltende und emanzipatorische Zukunftsfähigkeit nähren? Kritisch soll auch gefragt werden, welche Zukunftsbilder implizit in Kompetenzmodellen und Future Skills eingeschrieben sind (vgl. Scherrer/Obex 2023)? Ein zentrales Interesse gilt dem spezifischen Spekulations- und Transformationspotenzial der Künste. Als ästhetische Praxis eröffnen sie Räume der Antizipation, in denen alternative Wirklichkeiten entworfen und erprobt werden können. Spekulation baut auf bestehende Muster auf und erweitert diese ins Unbekannte (Diez/Schafhausen 2024). Wie können wir kunstpädagogisch „üblichen Futuritäten” Gewissheiten entziehen, um Zukunft als Prozess, Vision, Abgrund und Kunstform (Terzić 2022) zu praktizieren? Inwiefern können die Künste sowohl als Werkzeuge und Methoden wie auch als Laboratorien der Erprobung und als Möglichkeitsräume für Innovation begriffen werden? Verstehen wir Zukünfte nicht als bloße Fortschreibung des Gegenwärtigen, sondern als offene Möglichkeitsräume zwischen wahrscheinlichen, möglichen und wünschbaren Zukünften, kann auch die verbreitete Annahme linearer Zeitlichkeit problematisiert werden. Vor dem Hintergrund ökonomisierter Bildungslogiken stellt sich die Frage nach Alternativen zur Leistungsorientierung und Vereinzelungstendenzen ebenso wie nach demokratiebildenden, transformativen und solidarischen Perspektiven kunstpädagogischer Praxis. Eine Bildung des Zukünftigen, welche auf Kollaborationen und Netzwerken sowie auf das Mit- und Voneinander-Lernen setzt, könnte transformatives Potenzial entfalten (Redecker 2020). Konzeptionen wie affiliative Solidaritäten (Bhabha 1994; 2017) oder unbedingte Solidaritäten (Susemichel/Kastner 2021) versuchen dies aufzugreifen und widmen sich unvorhersehbaren Zusammenschlüssen, in denen sich geteilte Utopien manifestieren.

Erbeten werden einschlägige theoretische, empirische, künstlerisch-forschende sowie praxisreflexive Beiträge, die sich mit Zukünften in Kunst, Medien und Bildung auseinandersetzen. Abstracts (ca. 3.000–4.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) mit kurzer biografischer Angabe werden bis zum 15.04.2026 erbeten an:

zukuenftebilden@uni-giessen.de

Wir freuen uns auf Einreichungen, die Zukunft als ästhetische, ethische und politische Aufgabe von Kunst, Medien und Bildung reflektieren und weiterdenken.

Malina Blümm, Prof. Dr. Stefanie Johns, Prof. Dr. Ansgar Schnurr, Dr. Jana Tiborra

Institut für Kunstpädagogik, Justus-Liebig-Universität Gießen

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forschen von Kunst aus

Kunstpraxisbasierte Forschung im Praxissemester
Tagung und Workshop an der Universität Duisburg–Essen

Am 1. und 2. Oktober 2025 findet an der Universität Duisburg-Essen im Arbeitsbereich Kunstpädagogik | Didaktik der Kunst am Institut für Kunst und Kunstwissenschaft die Tagung »forschen von Kunst aus« statt.

Die Tagung legt den Fokus auf Perspektiven, Bedingungen, Widerstände und Methodologien studentischen Forschens. Dabei werden vor dem Hintergrund struktureller Herausforderungen und institutioneller Fragen besonders Praktiken und Relationen einer kunstpraxisbasierten Forschung diskutiert. Diese entwickeln sich in der Auseinandersetzung mit und im Antworten auf die materialen und medialen Dimensionen pädagogischer Praxis: Es geht um Fragen nach dem Prozessieren von Lehrerfahrungen und Beobachtungen, nach Kontextualisierung, Bedeutungsüberschuss und theoretischer Reflexion durch künstlerische Forschungsansätze, nach der Transformation von Material zu Artefakt und Forschungsgegenstand. Neben diesen Fragen sollen ebenso Strategien beleuchtet werden, die die Erprobung forschender Haltung(en) ermöglichen.

Die Veranstaltung richtet sich an Hochschullehrende, Kunstlehrer:innen und Studierende. Neben Vorträgen und einem Workshop werden auch Lehramtsstudierende des Instituts für Kunst und Kunstwissenschaft ihre Forschungsprojekte präsentieren, die sie im Praxissemester entwickelt haben.

Anmeldungen sind bis zum 28.09.2025 möglich unter dieser Mail:  silke.wittig@uni-due.de

Weitere Informationen zu Thema, Programm und Teilnahme unter:

https://www.uni-due.de/imperia/md/content/kunst-kuwiss/tagung_forschen_von_kunst_aus_uni_duisburg-essen_neu.pdf

Jahrestagung 2025: Vision & Re-Vision

Vision & Re-Vision

Nachhaltigkeit als Fokus künstlerischer Forschung im Kontext von Kunstpädagogik

In einer durch manifestes Krisenempfinden geprägten Gesellschaft, die sich mit vielfältigen globalen Herausforderungen konfrontiert sieht, ist Nachhaltigkeit ein vorrangiges Ziel für transformierendes Handeln. Dazu braucht es eine Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), durch die insbesondere Kinder und Jugendliche alternative Handlungsmöglichkeiten zukunfts- und forschungsorientiert ausloten und somit Visionsfähigkeit (vgl. Niederhauser 2024) entwickeln. Mittels kritischer Formen der Re-Vision gilt es, sedimentierte Erfahrungen sichtbar zu machen, Leerstellen und Desiderate zu identifizieren, um innovative kunstpädagogische Modelle zu erarbeiten.

Der gängige Diskurs zu Nachhaltigkeit orientiert sich überwiegend an einem Drei-Säulen-Modell, welches die sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekte thematisiert (vgl. Hauff 2021). Die kulturelle Dimension spielt jedoch nur eine marginale Rolle, obschon ihre Bedeutung mehrfach betont wurde (vgl.. Stoltenberg 2020 und Goehler 2020). Künstlerische Forschung in der Kunstpädagogik kann in diesem Zusammenhang einen entscheidenden und impulsreichen Beitrag leisten (Brohl 2023). Konzepte, Strategien und Prozesse der Künstlerischen Forschung implizieren ein kritisch-reflexives Denken und eröffnen eine Problemsensitivität (Inthoff 2017) im Hinblick auf die 17 „Global Goals for Sustainable Development“ (https://sdgs.un.org/goals).

Mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit erproben Lehrende und Lernende in hochschuldidaktischen Projekten, in schulischen und außerschulischen Vermittlungssettings sowie in Fort- und Weiterbildungsformaten künstlerisch forschende Verfahren. Etablierte Denkperspektiven und Handlungsmuster werden erweitert und experimentell erarbeitete Visionen für eine Welt von morgen sichtbar gemacht. Lehren und Lernen in Projekten Künstlerischer Forschung als intersubjektives Experimentierfeld und nachhaltiges Forschungslabor erfindet, realisiert und reflektiert auf explorative Weise Inhalte und Methoden (vgl. Brohl 2021). Künstlerische Forschung fokussiert die Transformation von Lern- und Bildungsprozessen und initiiert die Erweiterung bestehender Lernsettings.

Folgende Fragen sollen auf der Tagung bearbeitet werden:

  • Welche Rolle spielt Künstlerische Forschung in der Kunstpädagogik, um die kulturelle Dimension des Nachhaltigkeitsdiskurses zu stärken und weiterzuentwickeln?
  • Wie muss ein Kunstunterricht konstituiert sein, der es Kindern und Jugendlichen ermöglicht, zukunftsorientierte Themen aufzugreifen und visionär zu entfalten?
  • Welche kritischen Formen der Re-Vision benötigt die Aus-, Fort-, und Weiterbildung von Kunstlehrenden, um ihnen zu ermöglichen, eine künstlerisch-forschende Haltung zur Entwicklung von Visionen anzubahnen?
  • Wie kann Nachhaltigkeit als Fokus Künstlerischer Forschung im Kontext von Kunstpädagogik zu einer Transformation von Lern- und Schulkultur beitragen?

Das Tagungsprogramm findet sich auf der Website der Universität Bremen: https://www.uni-bremen.de/kunst/vision-re-vision

Einladung zum Nachwuchstag in Bremen 2025

Der Sozietätstagung „Vision & Re-Vision. Nachhaltigkeit als Fokus künstlerischer Forschung im Kontext von Kunstpädagogik“ am 25.+26.09.2025, vorgelagert ist der Nachwuchstag zum Thema „Nachhaltig Forschen, Lehren und Lernen in der Kunstpädagogik“ in Bremen am 24.09.2025 ab 13:00 Uhr.
Tagungsteam: Dr.in Christina Inthoff, Kira Hess, Dr.in Evelyn May, Julia Alvis-Seidel, Kirsten de Vries, Moritz Masuch
Anmeldung: Bis zum 01.09.2025

Kunstpädagogisches Kolloquium 25.04.25 Hamburg – Programm

Freitag, den 25.04.25, Warburg-Haus Hamburg, Heilwigstr. 116, 20249 Hamburg

Nicht-öffentlicher Teil:

Das Programm am Vormittag ist ausschließlich für Doktorand:innen und Postdoktorand:innen geöffnet.

10.30 Uhr Ankommen und Check-In

10.45 Uhr Begrüßung

11.00 – 11.45 Uhr Heiko Lietz (Universität Hamburg): You spin me right round. Zu Fragen der Darstellbarkeit und Darstellung skulpturaler Arbeiten im Rahmen kunstpädagogischer Forschung; Moderation: Anna Stolz

12.00 – 12.45 Uhr Silke Wittig (Universität Duisburg-Essen): Praktiken des Kuratorischen in kunstpädagogischen Bildungsprozessen; Moderation: Prof. Dr. Andrea Sabisch

12.45 – 14.30 Uhr Mittagspause

Öffentlicher Teil: Das Programm am Nachmittag ist für alle Kolleg:innen geöffnet.

Thema: Wie verändert sich wissenschaftliches Schreiben durch KI?

14.30 – 15.15 Uhr Dr. des. Carolin Heel (AdBK Stuttgart): Impuls und Erschütterung: Schreiben als Gleichzeitigkeit; Moderation: Lukas Sonnemann

15.30 – 16.15 Uhr Jan Havemann (Universität Hamburg): Interagieren mit KI; Moderation: Prof. Dr. Andrea Sabisch

16.30 – 17.15 Uhr Marie Johanna Trautmann (RPTU Kaiserslautern-Landau): Schreibend und visualisierend Denken in der kunstpädagogischen Forschung; Moderation Heiko Lietz

17.30 – 18.45 Uhr Diskussion: Wie verändert sich wissenschaftliches Schreiben durch KI? Moderation: Prof. Dr. Andrea Sabisch

18.45– 19.15 Uhr Informeller Austausch der wissenschaftlichen Qualifikant:innen untereinander

Weg zum Restaurant

19.30 Uhr Gemeinsamer Restaurantbesuch

Die Tagung wird vom Arbeitsbereich Kunstpädagogik | Art Education der Universität Hamburg organisiert und richtet sich an Forschende der Kunstpädagogik und verwandter Fachrichtungen. Für Mitglieder der Wissenschaftlichen Sozietät Kunst Medien Bildung und alle (Post)-Doktorand:innen ist die Tagung kostenlos. Alle weiteren professoralen Kolleg:innen zahlen einen Eintritt von 10€.

Die Tagung ist nur nach vorheriger Anmeldung bis zum 20.04.2025 möglich. Anmeldungen senden Sie bitte an: andrea.sabisch@uni-hamburg.de.

Programm Kolloquium Kunstpädagogik als PDF

CFP Kunstpädagogisches Kolloquium: Wie verändert sich wissenschaftliches Schreiben?

25. April 2025

Warburghaus Hamburg, Heilwigstraße 116, 20249 Hamburg

Prof. Dr. Andrea Sabisch, Fakultät für Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg, Ästhetische Bildung und Kunstpädagogik

Wenn wir den Prozess des wissenschaftlichen Forschens als wiederholte, diskursiv genährte Suche auffassen, der wir uns als Forschende zumeist lesend, hörend und sehend aussetzen, wie schaffen wir dann den Sprung hin zum Schreiben? Wie verändern Werkzeuge, Medien und Techniken des Schreibens, wie die so genannte Künstliche Intelligenz, diesen Sprung und darüber hinaus unseren gesamten Schreib- und Denk-prozess? Inwiefern setzen unsere Affekte inmitten dieses Springens ein und wie gehen wir damit um? Wie können wir schreibend und visualisierend spekulieren, entwerfen und Argumente entwickeln? Wie finden wir eine Schreib- und Darstellungs-Haltung zwischen der eigenen Frage und der Weise des Artikulierens?

In diesem Kolloquium geht es zum einen um die Frage, wie sich wissenschaftliches Schreiben gegenwärtig verändert. Davon losgelöst geht es zum anderen um die Vorstellung der eigenen kunstpädagogischen Forschungsfragen.

Das Kolloquium richtet sich an (Post-)Doktorand:innen sowie an Forschende der Kunst-pädagogik und Interessierte. Während die Vorstellung der eigenen Themen ausschließlich für Doktorand:innen und Postdoktorand:innen konzipiert wird, soll der  Teil des wissen-schaftlichen Schreibens für alle Forschenden der Kunstpädagogik geöffnet werden.
Das Kolloquium wird vom Arbeitsbereich Kunstpädagogik der Universität Hamburg ausgerichtet und von der Wissenschaftlichen Sozietät Kunst Medien Bildung finanziell unterstützt.

Interessierte an Kolloquium bitten wir entweder um ein Abstract zur eigenen Forschung mit oder ohne Bezug zum Thema des Kolloquiums (evtl. mit Fragen für eine anschlie-ßende Diskussion) oder um ein Abstract für den generationsübergreifenden Aus-tausch zum wissenschaftlichen Schreiben und Visualisieren in Zeiten von KI.

Die Abstracts sollen bis zum 15.3.2025 per Mail an andrea.sabisch@uni-hamburg.de ein-gereicht werden und maximal eine DINA 4 Seite umfassen. Darin soll eine Kurzbiografie enthalten sein sowie gegebenenfalls eine Auflistung der KI-Tools, mit denen Sie arbeiten. Die Abstracts können auch als Team verfasst werden.

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Antragsverfahren für finanzielle Förderung von Vorhaben der Sozietätsmitglieder

Die Sozietät strebt eine längerfristige Planung der finanziellen Förderung an sowie Transparenz hinsichtlich Fördermöglichkeiten im Rahmen der gegebenen finanziellen Mittel und hinsichtlich Förderentscheiden. Nähere Informationen zum Antragsverfahren für Mitglieder der Wissenschaftlichen Sozietät Kunst Medien Bildung finden sich im angehängten PDF: Antragsverfahren Wiss Sozietaet 2024

CFP Vision & Re-Vision: Nachhaltigkeit als Fokus künstlerischer Forschung im Kontext von Kunstpädagogik

Call for Papers zur Tagung am 25. bis 26. September 2025, Universität Bremen

In einer durch manifestes Krisenempfinden geprägten Gesellschaft, die sich mit vielfältigen globalen Herausforderungen konfrontiert sieht, ist Nachhaltigkeit ein vorrangiges Ziel für transformierendes Handeln. Dazu braucht es eine Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), durch die insbesondere Kinder und Jugendliche alternative Handlungsmöglichkeiten zukunfts- und forschungsorientiert ausloten und somit Visionsfähigkeit (vgl. Niederhauser 2024) entwickeln. Mittels kritischer Formen der Re-Vision gilt es, sedimentierte Erfahrungen sichtbar zu machen, Leerstellen und Desiderate zu identifizieren, um innovative kunstpädagogische Modelle zu erarbeiten.

Der gängige Diskurs zu Nachhaltigkeit orientiert sich überwiegend an einem Drei-Säulen-Modell, welches die sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekte thematisiert (vgl. Hauff 2021). Die kulturelle Dimension spielt jedoch nur eine marginale Rolle, obschon ihre Bedeutung mehrfach betont wurde (vgl. Stoltenberg 2020 und Goehler 2020). Künstlerische Forschung in der Kunstpädagogik kann in diesem Zusammenhang einen entscheidenden und impulsreichen Beitrag leisten (Brohl 2023). Konzepte, Strategien und Prozesse der Künstlerischen Forschung implizieren ein kritisch-reflexives Denken und eröffnen eine Problemsensitivität (Inthoff 2017) im Hinblick auf die 17 „Global Goals for Sustainable Development“ (https://sdgs.un.org/goals).

Mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit erproben Lehrende und Lernende in hochschuldidaktischen Projekten, in schulischen und außerschulischen Vermittlungssettings sowie in Fort- und Weiterbildungsformaten künstlerisch forschende Verfahren.  Etablierte Denkperspektiven und Handlungsmuster werden erweitert und experimentell erarbeitete Visionen für eine Welt von morgen sichtbar gemacht. Lehren und Lernen in Projekten Künstlerischer Forschung als intersubjektives Experimentierfeld und nachhaltiges Forschungslabor erfindet, realisiert und reflektiert auf explorative Weise Inhalte und Methoden (vgl. Brohl 2021). Künstlerische Forschung fokussiert die Transformation von Lern- und Bildungsprozessen und initiiert die Erweiterung bestehender Lernsettings.

Folgende Fragen sollen auf der Tagung bearbeitet werden:

  • Welche Rolle spielt Künstlerische Forschung in der Kunstpädagogik, um die kulturelle Dimension des Nachhaltigkeitsdiskurses zu stärken und weiterzuentwickeln?
  • Wie muss ein Kunstunterricht konstituiert sein, der es Kindern und Jugendlichen ermöglicht, zukunftsorientierte Themen aufzugreifen und visionär zu entfalten?
  • Welche kritischen Formen der Re-Vision benötigt die Aus-, Fort-, und Weiterbildung von Kunstlehrenden, um ihnen zu ermöglichen, eine künstlerisch-forschende Haltung zur Entwicklung von Visionen anzubahnen?
  • Wie kann Nachhaltigkeit als Fokus Künstlerischer Forschung im Kontext von Kunstpädagogik zu einer Transformation von Lern- und Schulkultur beitragen?

Erwünscht sind Beiträge, in denen Visionen und Re-Visionen thematisiert werden.

Präsentations- und Diskussionsformate sind:

  • Einzelbeiträge (aktivierende Kurzvorträge bis max. 20 min., Workshops 60 min.)
  • Gruppenbeiträge (Workshops, Arbeitsgruppen, Symposien 90 min.)
  • Poster (Projektvorstellung, Forschungsbeiträge)

 Notwendige Angaben für die Einreichung:

  1. Ansprechpartner*in/nen: Einreichende bzw. mitwirkende Person/en (inkl. Mailadresse und, falls vorhanden, institutionelle Anbindung)
  2. Titel des Beitrags
  3. Format (bitte wählen Sie aus den o. g. Formaten aus.)
  4. Abstract (ca. 3.000 Zeichen inkl. Leerzeichen)

– Welche der o. g. Fragen zum Thema möchten Sie vorrangig beleuchten?

– Was sind die zentralen Fragestellungen bzw. Erkenntnisinteressen für Ihren Input bzw. Diskussion?

– Welche Inhalte möchten Sie genauer darstellen bzw. welche Argumentationen vorstellen?

– Welche Relevanz hat dies für das Thema „Vision & Re-Vision: Nachhaltigkeit als Fokus künstlerischer Forschung im Kontext von Kunstpädagogik“?

– Auf welche Grundlagen, welches Material, welche Erfahrungen beziehen Sie sich (z. B. Theorien, Literatur, Projekt-/Praxisbezüge)?

– Wie möchten Sie Ihr Format (methodisch) gestalten?

  1. Kurz-Vita/e (max. 500 Zeichen pro Person inkl. Leerzeichen)
  2. Bedarfe für die Durchführung (z. B. Räume und ggf. Material/Technik)

Einreichung und Frist

Richten Sie Ihre Einreichungen bitte bis 6. Januar 2025 per E-Mail an vision@uni-bremen.de. Bitte senden Sie Ihre Datei im PDF-Format.

Tagungsteam: Andreas Brenne, Christiane Brohl, Nikola Dicke, Christina Inthoff, Maja Linke, Maria Peters

 CFP als PDF

Verwendete Referenzen:

Brohl, Christiane (2023): Künstlerische Forschung und Nachhaltigkeit: Ein künstlerisches Forschungsprojekt “4 questions about nature”. In: Cinema & Território (8). S. 89-114. DOI 10.34640/c.t8uma2023brohl

Brohl, Christiane (2021): Erfinden von Kunstunterricht. Zur Transformation der Rolle von Lehrenden durch Künstlerische Forschung, in: Ide, Martina/Beuckers, Klaus G. (Hgg.): Denkraum Kunstunterricht. Aktuelle Ansätze der Kunstpädagogik/Kunstdidaktik, München, S. 69-10020

Goehler, A. (2020): Künste, Natur, Nachhaltigkeit – Impulse für die Kulturelle Bildung. KULTURELLE BILDUNG ONLINE. https://www.kubi-online.de/artikel/kuenste-natur-nachhaltigkeit-impulse-kulturelle-bildung.

Hauff, Michael von (2021): Nachhaltige Entwicklung. Grundlagen und Umsetzung. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Berlin/Boston.

Niederhauser, Julia/Vez, Corinne (2024): Fiktive Pflanzenwelten, in: Die Grundschulzeitschrift Jg. 38. 344, S. 22-25.

Inthoff, Christina (2017): Problemsensitiv im Prozess. Arbeit mit dem künstlerisch-experimentellen Prozessportfolio (KEPP), in: Berner, Nicole E./Rieder, Christine (Hgg.): Fachdidaktik Kunst und Design. Lehren und Lernen mit Portfolios, Bern, S. 63-78.

Stoltenberg, Ute (2020): Kultur als Dimension eines Bildungskonzepts für eine nachhaltige Entwicklung, [online] https://www.kubi-online.de/artikel/kultur-dimension-eines-bildungskonzepts-nachhaltige-entwicklung [26.06.2021].

Anmeldung zur Tagung „Stabiles Zittern – Transformative Praktiken in Art Education“ (Jahrestagung der Sozietät 2024)

Die Jahrestagung der Sozietät Kunst Medien Bildung findet in diesem Jahr unter dem Titel: „Stabiles Zittern – Transformative Praktiken in Art Education“ vom 19. – 20.09.2024 an der Kunstakademie Münster statt.

Die Anmeldung ist ab jetzt formlos möglich über diese Mailadresse: stabileszittern[at]protonmail.com

Das Programm sowie weitere Informationen zur Tagung sind abrufbar unter dem folgenden Link:
https://www.kunstakademie-muenster.de/hochschule/veranstaltungsreihen-und-projekte/stabiles-zittern-transformative-praktiken-in-art-education

Kurzlink: https://tinyurl.com/bdzhbuwu

Die Tagung wird organisiert von Prof. Dr. Gesa Krebber und Prof. Dr. Johanna Tewes

Nachruf Gundel Mattenklott

Prof. Dr. Gundel Mattenklott (* 13. Oktober 1945 in Berlin; † 20. April 2024)

„Die Faszination der alten wie der modernen literarischen Metamorphosen liegt nicht zum wenigsten darin, dass sie uns wie am eigenen Leib spüren lassen, was der schmerzliche Abschied von einem vertrauten Leben bedeutet, die Verletzungen des Selbstgefühls durch ungewohnte Einschränkungen, die Ausgrenzung aus der Welt der Unverwandelten, zuweilen auch die neu gewonnene Macht und Lebensenergie – alles Gefühle, die wir während der Übergänge und Grenzüberschreitungen im Lebenslauf kennenlernen und die uns die Literatur besser verstehen und vielleicht zu bewältigen helfen kann.“
(Gundel Mattenklott (2011): Literatur als Bildung der Gefühle. In: ZEITSCHRIFT ÄSTHETISCHE BILDUNG, NR. 1, JG. 3)

Die wissenschaftliche Sozietät für Kunst Medien Bildung trauert um ihr Gründungsmitglied, die Literatur- und Erziehungswissenschaftlerin Prof. Gundel Mattenklott, die am 20.4.2024 im Alter von 79 Jahren verstarb. Als Professorin für Musisch-Ästhetische Erziehung lehrte sie seit 1990 an der an der Universität der Künste Berlin, und war von 2010–2012 deren Vizepräsidentin.
Sie promovierte zum Werk von Adalbert Stifter und habilitierte in den Erziehungswissenschaften an der FU Berlin. Sie arbeitete zu vielfältigen Themenfeldern mit markantem Fokus auf die ästhetische Bildung und Erziehung der frühen und mittleren Kindheit. Weitere Forschungsschwerpunkte bearbeiten den interdisziplinären und bildungstheoretisch relevanten Zusammenhang von Literatur, Bildende Kunst, Musik, Tanz sowie der Garten- und Landschaftsarchitektur.
In diesem Zusammenhang gründete sie zusammen mit Kolleg:innen das renommierte Berliner Graduiertenkolleg „Praxis und Theorie des künstlerischen Schaffensprozesses“ (Universität der Künste Berlin, 1998-2005) und fungierte als dessen Sprecherin. 2009 gründete sie zusammen mit Constanze Rora die Zeitschrift „Ästhetische Bildung“, die bis heute maßgeblich den Fachdiskurs bestimmt. An der Universität der Künste entwickelte sie den Studienbereich „Musisch-Ästhetische Erziehung“ und gründete in Berlin eine freie Jugendkunstschule.
Ihre wissenschaftliche Tätigkeit war geprägt durch eine kontinuierliche Suche nach der epistemischen Dimension der Künste, wobei sie insbesondere Interaktionsprozesse, Entgrenzungen, Wechselspiele, Zusammenspiele und die Räume im Dazwischen auslotete. Ihr Interesse an den ästhetischen Dimensionen kindlicher Bildungsprozesse schloss unmittelbar daran an, und sie verdichtete ihre Erkenntnisse zu komplexen Essays.
Ihre anregenden Gedanken und Impulse waren insbesondere in der Gründungsphase der Sozietät maßgeblich für die inhaltliche und strukturelle Ausrichtung und prägt unsere Fachgesellschaft bis heute. Wir gedenken ihrer und ihrem wissenschaftlichen Oeuvre in Dankbarkeit und Verbundenheit.

Andreas Brenne